ISO 45001: Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz
Die Sicherheit und Gesundheit von Mitarbeitern steht im Zentrum eines erfolgreichen Unternehmens. Die ISO 45001 bietet dafür einen international anerkannten Rahmen, der Organisationen hilft, ihre Arbeitsschutzprozesse systematisch zu optimieren. Erfahren Sie, wie dieser Standard Ihr Unternehmen bei der Entwicklung einer präventiven Sicherheitskultur unterstützt.
Was ist ISO 45001?
Die ISO 45001 ist ein international anerkannter Standard für Arbeitsschutzmanagementsysteme, der im März 2018 veröffentlicht wurde. Diese Norm definiert Anforderungen an ein effektives Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und dient Organisationen aller Größen und Branchen als strukturierter Rahmen.
Als weltweit führende Norm für Arbeitsschutz etabliert die ISO 45001 einen proaktiven Ansatz, der folgende Kernaspekte umfasst:
- Systematische Identifizierung und Bewertung von Arbeitsrisiken
- Integration von Arbeitsschutzaspekten in alle Geschäftsprozesse
- Aktive Mitarbeiterbeteiligung bei Sicherheitsfragen
- Kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsschutzmaßnahmen
- Präventive Sicherheitskultur im Unternehmen
Die Entwicklung von ISO 45001
Die ISO 45001 wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt, um einen globalen Standard für Arbeitsschutzmanagementsysteme zu schaffen. Die Entwicklung begann 2013 als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach einer international harmonisierten Norm im Bereich des Arbeitsschutzes.
| Aspekt | OHSAS 18001 (alt) | ISO 45001 (neu) |
|---|---|---|
| Struktur | Eigenständige Struktur | High-Level-Struktur (HLS) |
| Integration | Begrenzte Kompatibilität | Volle Integration mit anderen ISO-Normen |
| Führungsrolle | Weniger ausgeprägt | Stärkere Betonung der Führungsverantwortung |
Ziele und Vorteile der ISO 45001
Das Hauptziel der ISO 45001 ist die systematische Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Die Norm strebt die Schaffung eines sicheren Arbeitsumfelds an, in dem Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbezogene Gesundheitsbeeinträchtigungen verhindert werden.
- Wirtschaftliche Vorteile:
- Reduzierte Unfallkosten
- Geringere Ausfallzeiten
- Niedrigere Versicherungsprämien
- Wettbewerbsvorteile:
- Verbessertes Unternehmensimage
- Gestärktes Kundenvertrauen
- Erleichterter Marktzugang
Struktur und Anforderungen der ISO 45001
Die DIN ISO 45001 definiert umfassende Anforderungen an Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme in Unternehmen. Ein zentrales Element ist die Identifizierung und Bewertung von Gefährdungen und Risiken für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Die 10 Abschnitte der ISO 45001
Die ISO 45001 folgt der ISO High Level Structure (HLS) und gliedert sich in zehn Hauptabschnitte:
- Anwendungsbereich
- Normative Verweisungen
- Begriffe und Definitionen
- Kontext der Organisation
- Führung und Beteiligung der Beschäftigten
- Planung
- Unterstützung
- Betrieb
- Bewertung der Leistung
- Verbesserung
Integration in bestehende Managementsysteme
Die ISO 45001 wurde bewusst so konzipiert, dass sie sich nahtlos in bestehende Managementsysteme integrieren lässt. Durch die Anwendung der ISO High Level Structure (HLS) weist sie die gleiche Grundstruktur wie andere bedeutende Managementsystemnormen auf.
- Vorteile der Integration:
- Reduzierte Dokumentationsredundanz
- Optimierte Ressourcennutzung
- Vereinfachte Auditprozesse
- Effizientere Verwaltung
- Konsistente Managementansätze
Zertifizierung nach ISO 45001
Die Zertifizierung nach ISO 45001 stellt einen umfassenden Nachweis für ein effektives Arbeitsschutzmanagementsystem dar, das internationalen Standards entspricht. Dieser anerkannte Prozess bestätigt die systematische Implementierung von Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeitergesundheit und wird von akkreditierten Stellen wie dem TÜV SÜD durchgeführt.
Die Zertifizierung umfasst eine gründliche Überprüfung aller relevanten Aspekte:
- Systematische Identifizierung von Arbeitsrisiken
- Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
- Etablierung einer proaktiven Sicherheitskultur
- Dokumentation aller Prozesse und Maßnahmen
- Praktische Umsetzung des Managementsystems
Der Zertifizierungsprozess
Der Zertifizierungsprozess verläuft in mehreren definierten Phasen:
- Entwicklung und Implementierung des Arbeitsschutzmanagementsystems
- Durchführung eines internen Audits zur Überprüfung der Normkonformität
- Beauftragung einer akkreditierten Zertifizierungsstelle
- Durchführung des zweistufigen externen Audits:
- Stufe 1 – Dokumentationsprüfung
- Stufe 2 – Vor-Ort-Bewertung
- Zertifikatserteilung bei positivem Ergebnis (Gültigkeit: 3 Jahre)
Vorteile der Zertifizierung
| Bereich | Konkrete Vorteile |
|---|---|
| Wirtschaftlich | Reduzierung von Unfällen und Ausfallzeiten, Senkung von Versicherungsprämien |
| Wettbewerb | Stärkung des Unternehmensimages, erhöhtes Vertrauen bei Stakeholdern |
| Rechtlich | Systematische Einhaltung gesetzlicher Anforderungen, erhöhte Rechtssicherheit |
| Personal | Gesteigerte Mitarbeitermotivation und -bindung, verbesserte Arbeitsplatzsicherheit |
Rolle von Subunternehmern und externen Mitarbeitern
Die ISO 45001 erweitert den Schutzumfang deutlich über die eigene Belegschaft hinaus und integriert explizit externe Arbeitskräfte wie Subunternehmer, Leiharbeiter und Dienstleister. Diese erweiterte Verantwortung geht über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus und gewährleistet einen einheitlichen Schutzstandard für alle Personen im Arbeitsumfeld.
Einbindung von Subunternehmern
- Auswahlkriterien für Subunternehmer:
- Überprüfung von Zertifizierungen
- Bewertung der Sicherheitsleistung
- Qualifikationsnachweise
- Vertragliche Festlegung von Arbeitsschutzanforderungen
- Praktische Umsetzungsmaßnahmen:
- Umfassende Gefährdungsinformation
- Integration in Sicherheitsbesprechungen
- Einbindung in Schulungsprogramme
- Regelmäßige Leistungsüberwachung
- Kontinuierliche Bewertung der Arbeitsschutzstandards
Sicherheitsmaßnahmen für externe Mitarbeiter
Die ISO 45001 fordert eine gleichwertige Behandlung externer und interner Mitarbeiter im Bereich Arbeitssicherheit. Eine umfassende Einweisung zu Arbeitsbeginn bildet dabei das Fundament und umfasst:
- Spezifische Gefährdungen am Arbeitsplatz
- Erforderliche Schutzmaßnahmen
- Notfallverfahren und deren Anwendung
- Meldesysteme für Vorfälle und Beinahe-Unfälle
- Zuständigkeiten und Ansprechpartner
Der Sicherheitsbeauftragte übernimmt eine zentrale Koordinationsfunktion bei der Überwachung und Durchsetzung der Arbeitsschutzmaßnahmen für externe Kräfte. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei:
- Zugangskontrolle und Identifizierbarkeit
- Bereitstellung und korrekte Nutzung von Schutzausrüstung
- Integration in betriebliche Kommunikationsprozesse
- Teilnahme an Notfallübungen
- Regelmäßige Überprüfung der Sicherheitsvorschriften
Kontinuierliche Verbesserung und Leistungsbewertung
Die kontinuierliche Verbesserung bildet das Herzstück der ISO 45001 und basiert auf dem PDCA-Zyklus:
| Phase | Maßnahmen |
|---|---|
| Plan (Planen) | Festlegung von Arbeitsschutzzielen und Prozessen |
| Do (Umsetzen) | Implementierung der geplanten Maßnahmen |
| Check (Überprüfen) | Kontrolle und Analyse der Ergebnisse |
| Act (Handeln) | Optimierung und Anpassung der Prozesse |
Risikobewertung und Chancenidentifikation
Die systematische Risikobewertung umfasst die Analyse verschiedener Gefährdungsarten:
- Physische Gefahrenquellen
- Chemische Risikofaktoren
- Biologische Gefährdungen
- Psychische Belastungen
- Ergonomische Aspekte
Parallel zur Risikominimierung fordert die ISO 45001 die aktive Suche nach Verbesserungschancen durch innovative Ansätze wie neue Technologien, optimierte Arbeitsmethoden und moderne Schulungskonzepte.
Berichterstattung und Überwachung
Ein effektives Berichtswesen erfordert die systematische Erfassung und Analyse folgender Kernelemente:
- Unfallstatistiken und Beinahe-Unfälle
- Ergebnisse von Gefährdungsbeurteilungen
- Wirksamkeit implementierter Schutzmaßnahmen
- Erkenntnisse aus internen Audits
- Feedback aus Management-Reviews
Die transparente Kommunikation der Überwachungsergebnisse an alle Interessengruppen ermöglicht eine frühzeitige Problemerkennung und unterstützt die kontinuierliche Verbesserung der betrieblichen Sicherheitsleistung.
