ISO 15614: Schweißverfahrensprüfung und Qualifizierung

Die ISO 15614 ist ein unverzichtbarer Standard für Unternehmen, die hochwertige Schweißarbeiten durchführen. Erfahren Sie, welche Anforderungen diese Norm stellt und wie Sie diese in Ihrem Betrieb erfolgreich umsetzen können.

Einführung in ISO 15614: Bedeutung und Anwendungsbereich

Die ISO 15614 definiert internationale Standards für die Spezifikation und Qualifizierung von Schweißverfahren bei metallischen Werkstoffen. Diese Norm gewährleistet höchste Sicherheits- und Qualitätsstandards, besonders bei höherfesten Stählen, wo die strukturelle Integrität entscheidend ist.

Für Schweißunternehmen bietet die ISO 15614 folgende Vorteile:

  • Grundlage für Zertifizierung von Schweißverfahren
  • Voraussetzung für öffentliche Ausschreibungen
  • Sicherstellung zuverlässiger Schweißergebnisse
  • Gewährleistung geforderter mechanischer Eigenschaften
  • Beitrag zur Langlebigkeit geschweißter Konstruktionen

Was ist ISO 15614?

Die ISO 15614 ist eine internationale Normenreihe für die Qualifizierung von Schweißverfahren. Der Teil 1 (DIN EN ISO 15614-1) regelt spezifisch das Lichtbogen- und Gasschweißen von Stählen sowie das Lichtbogenschweißen von Nickel und Nickellegierungen. Die Norm definiert präzise Prüfungskriterien und bildet die Basis für Schweißanweisungen (WPS).

Anwendungsbereich der Norm

Die ISO 15614 findet Anwendung in verschiedenen Industriesektoren:

  • Druckgerätebau und Behälterkonstruktion
  • Pipeline- und Rohrleitungsbau
  • Brückenkonstruktion
  • Offshore-Strukturen
  • Schienenfahrzeugbau
  • Sicherheitsrelevante Konstruktionen

Struktur und Anforderungen der DIN EN ISO 15614-1

Die DIN EN ISO 15614-1 definiert präzise Anforderungen für die Qualifizierung von Schweißverfahren. Sie umfasst verschiedene Schweißprozesse wie Produktionsschweißen, Ausbesserungsschweißen und Auftragschweißen. Die Norm legt fest, wie eine vorläufige Schweißanweisung (pWPS) zu einer vollständigen Schweißanweisung (WPS) qualifiziert wird.

Wichtige Änderungen in der aktuellen Ausgabe

Die aktuelle Version brachte bedeutende Neuerungen:

  • Einführung eines zweistufigen Qualifizierungssystems
  • Aktualisierung normativer Verweisungen
  • Überarbeitung der Härteanforderungen für Werkstoffgruppen
  • Neustrukturierung der Geltungsbereichstabellen
  • Technische Aktualisierung des Unterabschnitts 8.5.2.3

Normenstruktur und Prüfungsumfang

Die Norm folgt einer systematischen Struktur und deckt den gesamten Prozess der Schweißverfahrensprüfung ab. Sie harmonisiert internationale Standards wie den ASME Section IX und definiert klare Kriterien für die Bewertung von Schweißnähten, einschließlich spezifischer Grenzwerte für mechanische Eigenschaften.

Prozess der Schweißverfahrensprüfung und Qualifizierung

Die Schweißverfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614 ist ein systematischer Prozess zur Validierung und Qualifizierung von Schweißanweisungen. Unter Aufsicht qualifizierter Prüfpersonen wird die praktische Schweißaufgabe durchgeführt und anschließend mittels zerstörungsfreier und zerstörender Werkstoffprüfmethoden untersucht.

Die aktuelle DIN EN ISO 15614-1 definiert zwei Qualifizierungsstufen:

  • Stufe 1 – erweiterter Geltungsbereich bei reduzierten Prüfanforderungen
  • Stufe 2 – strengere Prüfkriterien mit eingeschränkteren Geltungsbereichen

Erstellung einer Welding Procedure Specification (WPS)

Die Welding Procedure Specification bildet das Fundament jeder qualifizierten Schweißarbeit. Der Prozess beginnt mit einer vorläufigen Schweißanweisung (pWPS), die folgende Elemente enthält:

  • Schweißverfahren und Grundwerkstoffe
  • Schweißzusätze und Vorwärmtemperaturen
  • Spezifische Schweißparameter
  • Erforderliche Wärmebehandlungen
  • Technische Spezifikationen

Nach erfolgreicher Verfahrensprüfung wird die pWPS in eine vollständige WPS überführt, die als verbindlicher Leitfaden für Schweißer dient und die Qualitätskonstanz in der Produktion sicherstellt.

Dokumentation im Welding Procedure Qualification Record (WPQR)

Der WPQR dokumentiert die erfolgreiche Qualifizierung eines Schweißverfahrens und umfasst:

  • Detaillierte Prüfergebnisse und verwendete Materialien
  • Spezifische Schweißparameter und normative Anforderungen
  • Informationen zur Schweißnahtvorbereitung
  • Dokumentation der Wärmeeinbringung
  • Ergebnisse aller durchgeführten Prüfungen
  • Definierte Geltungsbereiche der Qualifizierung

Als offizielles Zertifikat wird der WPQR von unabhängigen Prüfstellen oder notifizierten Stellen ausgestellt und unterzeichnet, was seine regulatorische und vertragliche Gültigkeit gewährleistet.

Beteiligung des DIN/DVS-Gemeinschaftsausschusses

Der DIN/DVS-Gemeinschaftsausschuss NA 092-00-04 AA „Qualitätssicherung beim Schweißen“ (DVS AG Q 2) vertritt die deutschen Interessen in der internationalen Normungsarbeit. Als gemeinsames Gremium des Deutschen Instituts für Normung (DIN) und des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) vereint der Ausschuss Experten aus:

  • Industrieunternehmen
  • Forschungseinrichtungen
  • Prüfinstituten
  • Bildungseinrichtungen

Die Kernaufgaben des Ausschusses umfassen:

  • Kritische Bewertung internationaler Normentwürfe
  • Formulierung deutscher Stellungnahmen
  • Aktive Mitarbeit in ISO- und CEN-Gremien
  • Begleitung der Normübernahme ins deutsche System
  • Entwicklung ergänzender nationaler Dokumente

Praktische Anwendung und Partner für Schweißverfahrensprüfungen

Die Schweißverfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614 validiert systematisch die Eignung einer Schweißanweisung. Der Prozess beinhaltet die Durchführung unter qualifizierter Aufsicht sowie umfassende Werkstoffprüfungen. Für Unternehmen ist die Zusammenarbeit mit anerkannten Prüfstellen essenziell, besonders im Bereich der Druckgeräte und sicherheitsrelevanten Industrien.

SLV Nord als Partner für Schweißverfahrensprüfungen

Die SLV Nord hat sich als führender Partner für Schweißverfahrensprüfungen etabliert und bietet Dienstleistungen nach DIN EN ISO 15614-1 und der Druckgeräterichtlinie an. Als DVS PersZert-akkreditierte Prüfstelle erfüllt das Institut die Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17024.

Alexander Seelau, Diplom-Ingenieur (FH) mit SFI/IWE-Qualifikation, steht als Hauptansprechpartner zur Verfügung und begleitet den gesamten Prüfprozess:

  • Vorbereitung der vorläufigen Schweißanweisung
  • Durchführung der Prüfung
  • Erstellung des Prüfberichts
  • Finale Zertifizierung

Aktuelle Veranstaltungen und Tagungen im Bereich Schweißen

Der Schweißtechnik-Sektor bietet vielfältige Fachveranstaltungen für den Wissensaustausch. Diese umfassen:

  • Fachtagungen zu Normungsfortschritten
  • Workshops zu neuen Prüfmethoden
  • Seminare über innovative Schweißtechniken
  • Praxisorientierte Demonstrationen
  • Diskussionsrunden zu Qualitätssicherung

Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen finden sich in Branchenpublikationen und auf den Websites renommierter Schweißinstitute unter den Rubriken „Artikel“ und „Praxistipps“.

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